Man muss sich selber respektieren. Worte, die durchaus ihre Berechtigung haben, jedoch schnell im Sumpf der Küchenpsychologie verschwinden, wenn sie inflationär und zusätzlich auch noch im falschen Kontext benutzt werden. Und wenn dann am Küchentisch auch noch unpassende Matches zwanghaft gesucht werden, ist der Ofen aus.
In der Geschichte der USA waren und sind die echten Helden immer diejenigen gewesen, die sich selbst nicht ins Rampenlicht stellten, sondern mit ihrem Tun sich Respekt verdienten. Eine von ihnen ist Rosa Parks. Sie weigerte sich in den 50ern einfach (und hier ist dieses Wort mehr als angebracht) und mehrfach den Sitzplatz im öffentlichen Bus einem Weißen zur Verfügung zu stellen. Dafür wurde sie bekannt. Doch wie immer in der Geschichte ist das nicht die ganze Wahrheit! Zum Einen war es damals so – das ist gerade mal 70 Jahre her!, nicht mal ein Wimpernschlag im Lauf der Zeit) – dass in Bussen strikte Rassentrennung herrschte. Und das, obwohl verfassungswidrig war! Hinten im Bus waren Reihen für Schwarze reserviert. Von für Weiße. In der Mitte könnten sich Weiße und Schwarze setzen. Wenn allerdings ein Weißer einen Platz in dieser Sektion beanspruchte, musste ein Schwarzer aufstehen und den Platz freimachen. Unvorstellbar! Wie gesagt, wir befinden uns in den 50er Jahren des so modernen 20. Jahrhunderts! Und genau dort saß Rosa Parks. Hinten war kein Platz mehr, vorn durfte sie eh nicht sitzen. Der Bus fuhr nicht weiter. Der Busfahrer wies sie an den Platz zu räumen, sie weigerte sich, die Polizei kam. Und jetzt kam es nicht zu dem berühmten Foto, das um die Welt ging. Das kam erst Jahre später zustande. Sie wurde verhaftet. Nicht zum ersten, und nicht zum letzten Mal. Aber sie wurde bekannt. Sie engagierte sich.
Sie selbst hätte sich niemals als Aktivistin bezeichnet. Sie hätte mehrere Gründe gehabt sich als Aktivistin zu bezeichnen, so oft wie sie gedemütigt wurde. Das Wort war damals nicht so in aller Munde wie heutzutage. Labels entwickelten sich damals noch im Laufe der Zeit. Sie war stets engagiert. Arbeitete für Organisationen und ihre Vertreter. Sie hielt Vorträge, war Ansprechpartner für alle, die ihren Rat suchten. Sich selbst ins Rampenlicht zu stellen, war ihr fremd. Das ist Selbstrespekt in ihrer reinsten Form.
Ihre Autobiographie rückt so manche Schieflage der vermeintlichen Erinnerungen wieder gerade. Mit Hingabe berichtet sie aus ihrem ereignisreichen Leben und zeigt wie sie ein Leben lebenswert machte in einer zeit, in der ein Leben vieler (Schwarzer) in einigen Staaten nur sehr wenig zählte. Wichtig ist es auch anzumerken, dass ihr eigener Sprachstil nicht einer zeitgemäßen Übersetzung zum Opfer fiel. Denn nur so entfaltet sich das komplette Ausmaß an Diskriminierung im land of the free. Man muss schon ordentlich schlucken, wenn man die Zeilen und Absätze liest und erkennt, wie beschränkt bis hasserfüllt Polemik und unkommentierte Vorurteile weitergegeben werden und zu welchen Ergebnissen dies (bis heute) führen kann.









