Wann gab es eigentlich den letzten RICHTIGEN Medienskandal? 1971?, als Ton Steine Scherben Manager Niki Pallat im Sitzen (!) mit einem Beil den Tisch der Sendung „Ende offen“ zerhackte – das Beil hatte er schon in der Tasche. Klaus Kinski war zeitlebens ein Garant für Skandale, vor und hinter der Kamera. Und Rosa von Praunheims Outing von Hape Kerkeling und Alfred Biolek wirkt heute wie das trotzige Verhalten eines missachteten Kindes. Die Nachwirkungen sind bis heute spürbar und wahrlich verheerende Konsequenzen sind im Rückblick nur noch eine Randnotiz.
Jascha Wrobel ist ein erfolgreicher Autor. Seine Meinungen zu sämtlichen Themen des gesellschaftlichen Zusammenlebens tut er lautstark und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen kund. Er hat immer ein Beil in der Tasche… Und wer ihn interviewt, wartet regelrecht auf einen Skandal… Und Wrobel hat immer etwas zusagen, was den einen oder anderen vor den Kopf stößt.
Die Journalistin Jasmina Lorentz fühlt sich generell von Wrobel vor den Kopf gestoßen. Ihr sind seine Thesen zu gewagt, nazistisch, frauenfeindlich, also genau das, was ein „normales“ geslleschaftliches Zusammenleben unmöglich macht. Sie sitzt nun aber nicht herum und wartet passiv auf die nächste Konfrontation, nein, sie agiert. Schließlich sieht sie sich im Recht. In einem Artikel greift sie einmal mehr Wrobel an. Geht dabei einen Schritt zu weit als sie seine türkischstämmige Frau ins Spiel bringt und versucht sie zu manipulieren. Das alles gipfelt in einer TV-Talkshow und einem Skandal, einem Eklat. Wrobel liegt jetzt im Krankenhaus. Das muss ein fest für alle Zuschauer gewesen sein, die es (was auch immer das sein mag) schon immer wussten. Die gegen „die da oben“ waren sind und immer sein werden. Diejenigen, die nach der starken Hand rufen, und dabei nicht kapieren (wollen, können), dass sie die ersten Verlierer sein werden, wenn die starke Hand auch wirklich stark wird. Jahrelanger Geschichtsunterricht, Terrabytegroße Archive mit Filmmaterial sind in deren Augen nur manipuliertes Material, was die Menschen schon vergiftet hat – die Möglichkeiten sich gezielt zu informieren sind schier unendlich und trotzdem werden sie von einem nicht unbedeutenden Teile abgelehnt.
Nun gehören weder Wrobel von Lorentzen zu dieser Gruppe Menschen. Im Gegenteil: Beide verstehen Medien und ihre Macht auszunutzen. Mal besser, mal weniger gut. Als Außenstehender, als Konsument, als Angesprochener möchte man sich gern auf die Seite von Lorentzen oder Wrobel stellen. Doch ihre Argumentationen sind nicht linear. Punkt für Lorentzen, Punkt für Wrobel. Es gilt scheinbar nur nech das Gleichgewicht zu wahren.
In „Eklat“ wir der Eklat vor laufender Kamera ohne die Protagonisten aufgedröselt. Archivaufnahmen werden abgespielt und Beobachter teilen sich fundiert ihre jeweiligen Meinungen mit. Das Medium schlägt zurück. Erst war es die Bühne (für Wrobel und Lorentzen), nun wird es zur Schlachtbank und mediativ. Und der Zuschauer? Bekommt noch eine Meinung und noch eine Meinung um die Ohren gehauen. In jedem wie auch immer gearteten Actionfilm gibt es einen Gewinner. Beim 100-Meter-Lauf gewinnt auch immer einer. In „Eklat“ wird die Medaillenvergabe fast unmöglich. Dennis Kornblum zitiert Eins zu Eins aus dem Nachfolgegespräch, das neun Wochen nach dem Eklat standfand. Es ist eine typische Sprache, die man in Talkshows allzu oft hören muss. Bloß nicht festlegen lassen. Abwägen, kühl und distanziert bleiben und zumindest wirken. Kornblum lässt aber auch ein bisschen die Luft aus dem Medienzirkus, kreiert Hauptfiguren, die eindeutig klare Züge von mehreren echten Strippenziehern tragen. Sie einem einzigen zuzuordnen kann eine spannende Aufgabe sein. Lässt aber dann mindestens genauso viele streitbare gegebner auf den Tagesplan treten. So entstehen Eklats…









