Es ist geschafft! Josef Lautenbacher hat nach vierzig Jahren seine Buchhandlung übergeben und darf nun seinen Ruhestand genießen. Die Buchhandlung übernahm er selbst von seinem Schwiegervater. Qualität stand für ihn immer an erster Stelle. Bücher an Kunden zu verkaufen war ihm ein Graus. An Leser etwas weiterzugeben sein Elixier.
Und nun? Luise, seine Frau, hat sich ebenso wie er in ihrem Leben eingenistet. Er geht zur Arbeit, „hat seine Bücher“. Sie führt das Haus und sorgt dafür, dass die Harmonie gewahrt bleibt. Dass beide darunter etwas anderes verstehen – geschenkt. Josef Lautenbacher geht das Leben auf den Keks. Minderwertigkeiten stören ihn. Belanglosigkeiten treiben ihn in den Wahnsinn. Das Essen von Luise – Nörgeln ist ihm näher als Einsicht.
Die Tage vergehen. Die Monotonie des Unabänderlichen treibt ihn voran. Beziehungsweise lässt er sich davon lustlos davor hertreiben.
Dann macht es Klick in seinem intakten Hirn. Die Brücke über den Fluss. Sie ist nicht einfach nur die Uferverbindung. Sie ist der Weg für den ersten Schritt in eine neue Welt. Nach Flätz zieht es ihn. So nennt er den Ort, den er nicht kennt. Denn er aber unbedingt sehen muss. Andere reisen nach Indien, um Erleuchtung zu erlangen. Ihm reicht die Flucht aus dem Schweizer Ort, der von Bergen umgeben ist, und Lautenbacher Grenzen zieht.
Den Abschiedsbrief – er will ja wiederkommen, weil man das so macht, wenn man verreist – verfasst er gleich mehrere Male. Immer wieder ändert er Passagen. Luise soll sich keine Sorgen machen, er ist ja bald wieder da.
Flätz. Was soll das sein? Wo soll das sein? Kann er sich endlich mal hinflätzen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Ist Flätz wirklich ein Ort oder eine Zustand? Auf alle Fälle steht Flätz für Erfüllung. Und ohne Luise. Wobei Luise sicher für die Zwänge des alltäglichen Lebens steht …
Jörg Beeler haucht dem Neupensionär Lautenbacher Leben ein, das der erstmal annehmen muss. Der viel und oft beschworene Unruhestand ist Lautenbacher zuwider. Er hält nichts von Klischees. Jahrezehntelang, ein Leben lang hat er sich seine eigene Weltanschauung hart erknurrt. In seiner Buchhandlung war er Gott. Hier die gute Literatur, da die Sachbücher. Dazwischen, im Hintergrund, Er. Leser waren ihm willkommene Gesprächspartner. Das Leben da draußen kennt er nur aus Büchern. Jetzt muss Josef Lautenbacher beweisen, dass er in dieser Welt nicht verloren ist.









