Wäre der Name der Region Abruzzen ein Jugendwort des Jahres könnte man es kurz so beschreiben: Ab-ruzzen. Eine bislang kaum bekannte Region in all ihrer Faszination bewusst wahrnehmen und mit allen Sinnen genießen. In der Langversion bedeutet das: Zum Beispiel die Hauptstadt L’Aquila. In der Karwoche 2009 bebte für nicht einmal eine Minute die Erde. Die Bewohner der Stadt wurden aus dem Schlafe gerüttelt, die Stadt selbst bröckelte auseinander. Schnell wurden Satteliten-Wohnkomplexe geschaffen. Es war ja schließlich Wahlkampf. Doch nach der Kommunal-, Provinz- und Europawahl versiegte der Enthusiasmus der Regierung Berlusconi. Die Stadt wurde dennoch wieder aufgebaut. Und 2026 ist sie Italiens Kulturhauptstadt. Auch wenn die Nachwirkungen noch immer sichtbar sind – Gerüste und Abstützbalken gehören nach wie vor zum Stadtbild. Onna, das Epizentrum des Bebens existierte nicht mehr. Heute ist hier der Ort, dessen Wiederaufbau am weitesten fortgeschritten ist.
Abruzzen (bleiben wir bei der fiktiven Jugendwortwahl) kann man hier auf verschiedenen Niveaus. Ganz tief, unten am Meer – Pescara. Großstadt mit etwas mehr als 100.000 Einwohnern und Meereszugang. Inklusiver einzigartiger Ausblicke auf Adria auf der Einen und Berge auf der anderen Seite. Letzteres aber nur bei wirklich gutem Wetter. Es sind ein paar Kilometerchen bis man den Kopf in den Nacken legen muss, um den Horizont zu sehen.
Ist man aber in den nun schon einmal angesprochenen Bergen, hat man die Qual der Wahl. Wandern in wirklich Abgeschiedenheit und echter Ruhe oder doch historisches Sightseeing beispielsweise in der Fortezza Spagnola in Civitella del Tronto. Am besten beides! Sehr zu empfehlen – das finden auch die beiden Autoren Sabine Becht und Sven Talaron: Nachts die Festung besichtigen. Das sind Eindrücke, die man nie mehr vergisst.
Abruzzo – so heißt die Region, Abruzzen könnte sich vielleicht doch als Tätigkeit durchsetzen? – ist bestimmt keine Wundertüte. Auch dank dieses Reisebandes könnte die Lust auf Italien mal anders gehörig gesteigert werden. Es muss nicht immer das überteuerte Eiscafé am See sein. Auch nicht die stundenlange Wanderung über wahrhaft historisches Pflaster. Gediegenes Erkunden, mit wirklich hilfreichen Tipps (die man hier wir wirklich braucht), neugieriges Staunen über so viel, was man noch nie gesehen, geschweige denn von dem man je gehört hatte und natürlich – wir sind in Italien – exzellenter Küche. Auch das ist Abruzzen. Auf und Ab, Alt und Neu, und dennoch ein Stück Italien, das bisher kaum Besucheranstürme über sich ergehen lassen musste. Auf nach abruzzo, aber bitte einer nach dem anderen. So wie man diesen Reiseband auch Seite für Seite aufsaugt, um dann Schritt für Schritt Abruzzen zu können.









